CE-Markt electro 6/2019

12 CE-Markt 6 | 2019 Exklusiv-Interviewmit BSH Hausgeräte »Der Fachhandel spielt auch in der Zukunft eine relevante Rolle« Vernetzung in Verbindung mit Sprachsteuerung, mehr Komfort und assistiertes Kochen sind für Volker Klodwig , Vertriebsleiter Zentral- und Osteuropa bei der BSH , entscheidende Trends Herr Klodwig, die Digitalisierung beein- flusst das Kaufverhalten der Endkunden maßgebend. Konsumenten informieren sich zunehmend vorab über soziale Me- dien und Online. Dennoch werden Kauf- entscheidungen überwiegend im stationären Handel getroffen. Welche Maßnahmen und Konzepte sind aus Sicht der BSH jetzt dringend notwendig, damit dies auch künftig so bleibt? Verschiedene Studien bestätigen unsere Einschätzung, dass der Fachhandel eine relevante Zukunft spielt – heute und in Zu- kunft. Konsumenten schätzen die persön- liche Beratung vor Ort, die für viele einen deutlichen Mehrwert darstellt – daran darf nicht gespart werden. Dies gilt besonders, da viele vernetzte Produkte und deren Funktionen erklärungsbedürftig sind. Was aus unserer Sicht wichtiger wird, ist das Erleben der Produkte vor Ort und die Konsumentenzentrierung. Nur so können Fachhändler ihre Vorteile gegenüber rei- nen Onlinehändlern ausspielen. Wir unter- stützen den Fachhandel dabei, auf der ge- samten Konsumentenreise ein passendes Angebot anzubieten – heißt den Point of Sale online wie offline zu synchronisieren und sich so als Systemanbieter im ganzen Haus zu positionieren. Verfügt die Mehrheit der Fachhändler Ihrer Meinung nach überhaupt über die Kompetenz, um die Herausforderun- gen der Digitalisierung erfolgreich zu meistern und die Endkunden zum Beispiel von den Vorteilen einer vernetzten Küche zu überzeugen? Die Händler stehen derzeit vor der Heraus- forderung, sich angesichts rasch entwi- ckelnder Technologien immer wieder auf den aktuellen Stand zu bringen und ent- sprechende Kompetenzen anzueignen. Der professionelle Fachhändler bringt hier in unseren Augen bereits alles mit, um als Systemanbieter im gesamten Haus zu fun- gieren. Zusätzlich möchten wir Händler aber unterstützen, gerade weil beispiels- weise die Produktpräsentation beim The- ma »vernetztes Zuhause« angepasst wer- den muss. Vor allem die vernetzten Geräte sollten vorführbereit präsentiert werden, da sie nur im On-Modus begeistern. In Zeiten des digitalen Wandels ist der Online Auftritt ein wichtiger Bestandteil jeder Marketingstrategie. Unterstützt die BSH ihre Handelspartnermit professio- neller Beratung, damit diese ihren digita- len Markenauftritt verbessern können? Aufgrund der immer größer werdenden Bedeutung des Onlineauftritts für den Fachhandel bieten wir vielfältige Unter- stützung und auch individuelle Koopera- tionen an. Beispielsweise, indem wir den Händlern vorgefertigte Kampagnen und Inhalte für ihre Website zur Verfügung stellen. Dazu gehört auch die Integration von Diensten wie Tradeplace und Loadbee auf den Webseiten. Die Fachhändler kön- nen sich auf die Richtigkeit der Daten und Angaben verlassen und profitieren so von der Digitalisierung, statt einen Mehrauf- wand leisten zu müssen. Abgerundet wird dies über die entsprechende Integration in die deutschen Kooperationsmodelle des Elektrohandels. Seit vielen Jahren setzen sich der Mittel- standskreis (MK) und die BSH für eine starke Partnerschaft im Fachhandel ein. Welche aktuellen Entwicklungen gibt es in dieser Zusammenarbeit und wie be- währt sich das von der BSH entwickelte, erweiterte Fachhandelskonzept? Der Mittelstandskreis ist und bleibt eine der wichtigen strategischen Säulen für die BSH. Das Ziel ist und bleibt es, dem Mittelstand und dem beratenden Fach- handel eine kooperationsübergreifende Struktur zu bieten und ihnen mit 360 Grad Marketingmaßnahmen hochperformante Werkzeuge an die Hand zu geben. Hinzu kommen noch weitere Bausteine wie Lie- ferservices und Leistungsunterstützung. Nur mit einem vernünftigen Fachhandels- konzept und der Unterstützung des Mit- telstands kann dem Endkonsumenten das bestmögliche Angebot offeriert werden. Somit sind wir in der Lage, die sich stark ändernde Konsumentenreise immer wie- der mit angepassten Strategien aktiv zu gestalten. Als Europas führender Hausgeräte- hersteller und Branchenführer für digitale Services in der vernetzten Küche erschließt die BSH auch neue digitale Geschäftsmodelle, wie zum Beispiel die strategische Investition in Start-Ups. Gibt es hier neue Partner? Für die BSH ist die Investition in die Ent- wicklung des Start-up Standorts Deutsch- land eine wichtige Aufgabe und eine echte Herzensangelegenheit. Mit den verschiedenen Maßnahmen, etwa der BSH Start-up-Kitchen oder dem Acce- lerator-Programm unterstützen wir ge- zielt neue digitale Geschäftsmodelle und junge Unternehmen. Daraus entwickeln sich immer wieder neue Partnerschaften, die öffentlich bekannt gegeben werden, wenn sie das entsprechende Stadium er- reicht haben. Das Berliner Start-up Kitchen Stories ist ein gutes Beispiel für eine gelun- gene Zusammenarbeit. 2017 haben wir in die Kochplattform investiert und dadurch die Home Connect App um kreative Re- zeptideen erweitert. Gibt es bei der Digitalisierung und künf- tigen Weiterentwicklung vernetzungs- fähiger Smart Home Produkte unter- schiedliche Schwerpunkte hinsichtlich der vier BSH Globalmarken Bosch, Siemens, Gaggenau und Neff? Die BSH verfolgt den konsequenten An- satz, der bereits in Home Connect ange- legt ist: Die Plattform vernetzt Hausgeräte herstellerübergreifend in einer App und bietet dem Konsumenten den maximalen Komfort in der Steuerung seiner Geräte. Wir haben uns bewusst für ein offenes Ökosystem entschieden, um über mög- lichst viele Kooperationen und Partner- schaften den maximalen Service bieten zu können. Zum Teil unterscheiden sich bei den Marken die Vermarktungsansätze oder Mehrwerte einzelner Partner. Durch welche drei entscheidenden Inno- vationen wird sich Ihrer Meinung nach die Küche der Zukunft von heutigen Küchen unterscheiden? Die entscheidenden Trends sind für mich: Vernetzung in Verbindung mit Sprach- steuerung, mehr Komfort und assistiertes Kochen. In der Küche der Zukunft wird vor allem die Vernetzung eine zentrale Rolle spielen. Durch die Steuerung per Sprach- befehl und Assistenzsysteme (»Guided Cooking«) wird der Konsument bei seinen Vorhaben unterstützt – das Kochen und Backen wird dadurch komfortabler und führt am Ende des Tages zu einem tollen Kocherlebnis. Volker Klodwig Vertriebsleiter Zentral- und Osteuropa bei der BSH Bild:Carolin Jacklin »Wir unterstützen den Fachhandel dabei, auf der gesamten Konsumentenreise ein passendes Angebot anzubieten.«

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